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Nur wenige Kilometer von den salzigen Atlantikstränden und den historischen Mauern Guérandes entfernt öffnet sich eine völlig andere, fast mystische Welt: die Brière. Mit einer Fläche von über 50.000 Hektar ist der Regionale Naturpark Brière eines der ältesten Schutzgebiete Frankreichs und beheimatet nach der Camargue das zweitgrößte Feuchtgebiet des Landes. Wer hierherkommt, lässt die Hektik des Alltags hinter sich und taucht ein in ein Labyrinth aus stillen Kanälen, schier endlosen Reetfeldern und jahrhundertealten Traditionen.
Das „Schwarze Land“ und das Erbe der Torfstecher
Die Brière ist eine Landschaft, die tief mit der Geschichte ihrer Bewohner verwoben ist. Einst ein riesiges Hochmoor, wird die Region wegen ihrer reichen Torfvorkommen auch als „Pays Noir“ (Schwarzes Land) bezeichnet. Jahrhundertelang sicherten das Stechen von Torf, die Fischerei und das Schneiden von Schilf das Überleben der Menschen in diesem weiten Sumpfland.
Dieses historische Erbe prägt das Gesicht der Brière bis heute auf eine weltweit einzigartige Weise: Der Park besitzt eine der höchsten Konzentrationen an reetgedeckten Häusern in ganz Europa. Tausende dieser malerischen Chaumières mit ihren dicken Dächern aus getrocknetem Schilfrohr sprenkeln die Dörfer und Inseln des Parks. Besonders eindrucksvoll lässt sich diese traditionelle Architektur im restaurierten Museumsdorf Kerhinet oder auf der kreisrunden Insel Fédrun bewundern, wo die Häuser wie Perlen an einer Schnur entlang des Wassers aufgereiht sind.
Lautlos durch die Kanäle: Die Fahrt mit dem Chaland
Das Herzstück des Parks ist das eigentliche Moorgebiet, die Grande Brière. Um diese unberührte Wildnis wirklich kennenzulernen, muss man das Auto stehenlassen. Der klassische Weg der Fortbewegung ist der Chaland – ein traditionelles, flaches Holzboot, das von den Einheimischen früher mit einer langen Stange vorwärtsbewegt wurde.
Bei einer geführten Kahnfahrt gleitet man fast lautlos durch die schmalen Kanäle, die von meterhohem Schilf gesäumt sind. Es ist eine Reise voller Stille, bei der man die einzigartige Flora und Fauna hautnah erlebt. Die Brière gilt als biologischer Schatz und wichtiger Rückzugsort für europäische Wasservögel. Wer die Augen offenhält, kann majestätische Graureiher, seltene Rohrweihen oder im Frühjahr und Sommer sogar Störche beobachten, die in den feuchten Wiesen nach Nahrung suchen.
Ein unendlicher Horizont im Wechsel der Jahreszeiten
Für Aktivurlauber bietet die Brière ein hervorragendes Netz aus Wanderwegen und Fahrradrouten, die über die kleinen, aus dem Moor ragenden Inseln führen. Ein ganz besonderer Tipp für Fotografen und Naturliebhaber ist der Besuch des Hafens Port de Rozé. Dort führt ein Steg zu einem modernen, 24 Meter hohen Aussichtsturm (Belvédère). Von oben bietet sich ein atemberaubender Panoramablick über das gesamte Feuchtgebiet bis zum Horizont.
Egal zu welcher Jahreszeit man die Brière besucht, die Landschaft erfunden sich ständig neu. Während der Frühling und Sommer in sattem Grün erstrahlen, verwandelt der Herbst die Reetfelder in ein goldenes, wogendes Meer, bevor im Winter geheimnisvolle Nebelschwaden über das Wasser ziehen und dem Park eine fast märchenhafte, melancholische Atmosphäre verleihen. Wer die wilde Seite Westfrankreichs sucht, wird sie hier finden.





